... meinen drei „Fans“ und meinen drei Freunden
Anmerkung: Alle Äußerungen verstehen sich selbstverständlich als höchst subjektiv, die möglicherweise wilden Thesen zum musikalischen Geschehen beanspruchen keine Allgemeingültigkeit, sondern entspringen lediglich meinen persönlichen synaptischen Verflechtungen. Des Weiteren habe ich mich seit geraumer Zeit nicht mehr intensiv mit dem aktuellen Musikgeschehen befasst, man möge es mir nachsehen.
Freitag – Der Zehbruch oder „Ihr seid die Linken – und ihr seid die anderen Linken!“
09:50 Uhr, irgendwo in Leipzig – Wie ein elfengleiches Walross schwebe ich die Stufen hinunter, um alle notwendigen Utensilien für das bevorstehende Event auf die Straße zu wuchten. K. wollte mich so gegen 10 Uhr abholen. Dies wird auch das erste Festival seit Jahren, zu dem ich erst Freitag anreise. Doch das macht nichts. Im Vorfeld war geplant, dass Freunde und Bekannte von K. am Donnerstag anreisen und uns Plätze frei halten. Somit war kein Stress angesagt. Doch dann, am Mittwoch Abend die Meldung von FKP: Das Gelände kann aufgrund von wässrigen Bodenverhältnissen erst am Freitag geöffnet werden. Soweit, so gut, für uns hieß das dann auch erstmal gar nichts, außer, dass wir uns jeweils noch kurzfristig Gummi-Stiefel besorgt haben. Ebenfalls meine ersten, dabei ist das weiß Gott nicht gerade mein erstes Festival, aber bisher ging es immer so. Doch nun, ein neues Gelände und Wetterwarnungen mahnen zur Umsicht.
10:30 – Von K. weit und breit keine Spur. Ich hoffe auf Stau und unvorhergesehene Verspätungen und übe mich in Geduld. Jetzt nur kein Stress, Platz wird schon noch sein.Circa 10:45 – Endlich, sie ist da, Freude, Freude! Und auch Freude über die jedes Mal auftauchende Erkenntnis, dass man, mit einer Gepäckmenge einer Auswanderung gleich, für geschlagene drei Tage als Kind schon öfter mal Tetris gespielt haben sollte. Aber was solls, am Ende bekommen wir alles unter, der Weg ist zum Glück auch nicht übertrieben weit und so geht es nach einem kurzen Zwischenstopp im nahe gelegenen Kaufland Richtung Störmthaler See. Doch halt, wir wären nicht wir, wenn wir es nicht in besagter Einkaufsmöglichkeit noch geschafft hätten, K.s rechten kleinen Zeh mit Hilfe eines aus etwa 10 cm Höhe fallenden 5-Liter-Fasses zu zerschmettern. Ein gelungener Start ins Wochenende. Habe ich schon erwähnt, dass sie fährt?
Uhrzeit vergessen, ist jetzt auch egal – Wir nähern uns dem Gelände, manövrieren das kleine Auto durch die durch Regenfälle und Massen an Autos natürlich gewachsenen Loipen auf dem Parkplatz ganz nach hinten, wäre ja sonst langweilig. Spazieren ist gesund, vor allem mit dem defekten Zeh. Lauf dem Schmerz davon, K., lauf! Auf dem Zeltplatz werden wir bereits von T. erwartet, welcher mit seiner Anhängerschaft auf Verdacht doch schon am Vortag angereist ist. Und siehe da, C3 wurde doch schon Donnerstag geöffnet, also zelten wir hier, weit ab vom Festival-Gelände und vom Schuss sowieso, was sich im Nachhinein aber als gar nicht so schlecht erwies, Wege und Zeltplatz waren hier in gutem Zustand. Und es gibt später auch noch ein anderes Highlight.
Irgendwann waren wir dann auch mit Zeltaufbau, Gepäck umhertragen und kurzem Relaxen fertig. Also erste Station: Sani-Zelt! Da noch nicht viel los war, kümmerten sich auch gleich mal fünf Leute um den kleinen Zeh. K. war übrigens der etwa 16. Fall, bisher gab es aber nur leichte Fälle, sowas wie Übelkeit und ... Mückenstiche! Ja, ist ja auch kreuzgefährlich sowas, da kratzt man mir nichts dir nichts und völlig gedankenverloren daran herum und plups: entzündet sich der ganze Mist und das Bein muss amputiert werden. Jaha, wer kennt es nicht?
Wie dem auch sei, eigentlich wollte ich heute gleich zum Opener Frank Turner, aber ich habe mich dann damit abgefunden, aufgrund der verschiedenen Umstände erst später hingehen zu können. Denn den Herren habe ich schon mal gesehen. Wobei ein weiteres Mal jetzt auch nicht geschadet hätte. Ebenso Herrenmagazin, auch wenn es hier schon etwas länger her ist. Millencolin durfte ich auch schon mal sehen, allerdings war hier eine Wiederholung für mich persönlich zumindest nicht nötig.
Aber dann, wir schaffen es tatsächlich noch zu Good Shoes ins Zelt, die ich aufgrund des Slots von Sonntag Mittag auf dem diesjährigen Hurricane nicht sehen „konnte“. Allerdings scheine ich auch nicht viel verpasst zu haben, mir kommt das alles sehr gleichmäßig vor. Wie auch auf dem Album, das ich habe. Doch zum Schluss noch eine kleine Überraschung, das letzte Lied scheint etwas neuer, ich vermute mal, es gibt ein neues Album. Auf jeden Fall klingt es etwas frischer und für mich zumindest wie mal an We are Scientists vorbei gelaufen, womit ich gut leben kann. Wieder raus aus dem Zelt, hinein in die Sonne und ich bin über meine eigene Hitzeverträglichkeit heute verblüfft, während andere sich schon vor der Bühne räkeln und nach Schatten lechzen. Aber erstmal ein Eis!
Auf der Hauptbühne hat derweil The Gaslight Anthem angefangen, meine heutige Überraschungs-Band, mein kleines Highlight auf diesem Festival. Auch wenn ich im Vorfeld von dieser nicht allzu viel mitbekommen habe, mal abgesehen von einem Song, der in letzter Zeit regelmäßig zumindest nachts auf MTV lief. Gab es da vielleicht einen kleinen Hype? Wie auch immer, die Jungs liefern mir hier für meine Begriffe soliden, ich nenne es mal klassischen, Rock ab, der mich zwar ansatzweise an die amerikanischen 1990er erinnert, jedoch nicht in diesen hängen geblieben ist, wie etwa bei den Altherrenrockern Stone Temple Pilots. Nein, hier wird eine kleine Rock-Erfrischung geboten, passend für die 2010er. Nach meiner Einschätzung findet sich das Ganze abseits vom vorherrschenden Indie, bewegt sich vom Härtegrad etwa zwischen Good Shoes und Millencolin wieder, um bei hiesigen Highfield-Bands zu bleiben und eine schöne rauchige Stimme gibt es gleich auch noch dazu. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass schließlich noch AC/DC angespielt wird, soviel zum klassischen Rock. Ein paar Sprüche lassen sie sich natürlich auch nicht nehmen. Ja, ja, Bush ist weg, wir können die Amis wieder lieb haben und nicht nur zu den Hives hemmungslos mitschreien, die USA sind jetzt so sympathisch wie Kanada und wir gründen eine Regierung aus Tegan&Sara, Billy Talent, Wolfmother und ... ähm ... ich glaube The Courteeners? Naja, man kann sich nicht alles merken. In diesem Sinne: Danke, The Gaslight Anthem! I almost heart you!
K. hat mich während des Auftritts auch schon wieder verlassen, um Tb. abzuholen, also schwinge ich mich geschwind mehr oder weniger allein zurück ins Zelt zu den Fotos. Die habe ich nun auch schon seit geraumer Zeit nicht gehört, denke beim Hingehen jedoch unweigerlich an die „Hamburger Schule“, warum auch immer. Auf jeden Fall verkünden sie gleich, dass es ein neues Album gibt, ich glaube „Porzellan“, und auch den Titel „Nach dem Goldrausch“ kenne ich noch nicht, bin jedoch postitiv mitgenommen. So fühlte ich mich gegen Ende des Titels wie in einem interpolesken PDA-Rausch – ich liebe solche Finale. Der Vergleich mag für einige hinken, für mich nicht. Wie ich bei nachträglichen oberflächlichen Recherchen heraus fand, scheinen sie diese Version aber nur live zu spielen. Schade, aber ich habe es ja hören dürfen. Und wer den Vergleich mit Interpol schon scheiße fand, der wird jetzt lachen oder wahlweise den Kopf gegen die Wand schlagen, denn beim drittletzten Lied musste ich ernsthaft an Joy Division denken, vor allem, was den Rhythmus und das Schlagzeug angeht. In diesem Sinne, der Auftritt hat gefallen! Danke, Woody, danke! (Pardon, falsche Band) Bei den Fotos habe ich im Übrigen auch schon L. treffen können, jedoch verloren wir uns beim Hinausgehen schon wieder auf unerklärliche Weise. Nun ja, dann bis später!
Draußen haben bereits Gogol Bordello angefangen. Nomen est Omen dachte ich mir im Vorfeld und zeigte mich heute für diese Musik nur mäßig interessiert. Im Übrigen sollte ich Recht behalten: Wer Ska mag, wird diese Band ... möglicherweise auch ganz gut finden. Aber mich lockte an dieser Stelle auch kein Eagles-of-Death-Metal-Porno-Balken vor die Bühne. Nach einer kurzen Korrespondenz stellte ich fest, dass K. noch Tb. beim Zeltaufbau half, aber sie waren so gut wie auf dem Weg. Also eine halbe Stunde bis zur nächsten Zeltband Zeit für mich, das Gelände zu erkunden. Sehr weitläufig das Ganze – und sehr uneben, aber das war ja zu erwarten und eigentlich nicht weiter schlimm, es ist ja noch hell und die Sanis in der Nähe. Aber es ging gut. Erschreckend musste ich jedoch bald feststellen, dass auf dem Festival-Gelände ausschließlich Dixi-Klos ausgestellt waren. Versteht mich nicht falsch, ich sehne mich nicht nach übertriebenem Luxus und mir ist klar, dass das hier ein Festival ist, aber Toiletten-Container sind doch mittlerweile Standard, auch am alten Highfield-Standort und wozu sollte man sich besonders an dieser Stelle wieder zurück entwickeln? Nun gut, vielleicht im nächsten Jahr wieder.
Die halbe Stunde ist inzwischen fast um, K. und Tb. kündigen sich an und ich hole sie vom Eingang ab. Von dort geht es dann auch gleich ins Zelt zu The Drums, die ich irgendwie schon gerne sehen wollte. Allerdings ging mir während des Auftrittes dann nicht mehr so ganz auf, warum eigentlich. So besonders war es dann doch nicht, um nicht zu sagen, ich fand es ziemlich langweilig.
Dann doch lieber mit den anderen gleich zum Beginn von WIZO, was solls. Wenn auch meine etwas aktivere Punk-Musik-Phase schon etwas zurückliegt, schätzungsweise zehn Jahre (bin ich schon so alt?), WIZO muss ich wohl schon rein aus verwandtschaftstechnischen Gründen gut finden. Ja, ja, die Sozialisation, wo sie uns nur hinführt. Aber ich fühlte mich ganz gut unterhalten. Als sie schließlich anfingen, die Meute zu teilen, tat mir beim bloßen Gedanken an eine Wall of Death zwar schon alles weh, doch erstmal wurden alle in scheinbarer Sicherheit gewogen. Zunächst sollte nur gesungen werden. Wie zu erwarten kam der Startschuss zum „Showdown“ kurz darauf, aber wozu ist es eine Punkband geworden, also immer rinn in die Masse. Viel Spaß dabei, ich stehe hier hinten auch ganz gut.
Zu Kap Bambino wollten wir dann nicht zwingend und Tb. sowieso lieber zu Wir sind Helden. Doch bis dahin ist noch etwas Zeit. Also begeben wir uns für K. auf die Suche nach gepanschtem Bier und werden tatsächlich bei einem kleinen Stand fündig. K. freut sich wie Bolle, die Bedienung freut sich wie Bolle über K., die sich wie Bolle freut. Ein heiteres Miteinander. Was für ein Schauspiel! Und nach diesem geht es auch gleich zum nächsten: Bungee-Gaffen! Der Korb ist schon oben, aber nichts tut sich. Nach ein paar Minuten kommt dieser auch wieder herunter. Na, doch Schiss gehabt? Aber dann trauen sich doch noch welche, und das immerhin bekleidet. Wunderschön!
Auf gehts wieder zur Bühne. Wir sind Helden wollte ich eigentlich gar nicht sehen. Doch ich dachte mir heute so: „Sei kein Amphibinoid“, um den schubertschen Imperativ anzuwenden, „lege die pseudo-elitäre Konzert-Arroganz ab und guck dir den Quatsch halt an!“ Und siehe da, nach den ersten drei Liedern wurde ich dann doch von einem alten Titel mitgerissen, um nicht zu sagen mir kribbelte es leicht unter den Augen vor Begeisterung. Eine regelrechte Gefühlsachterbahn. Pathos-Scheiße? Vielleicht, ist mir aber herzlichst egal! Und mitsingen konnte ich im weiteren Verlauf auch noch, oh je. Einige empfanden die Songauswahl eher langweilig, wie ich später erfuhr, mir gefiel es heute. Könnte auch daran liegen, dass Erinnerungen an etliche weit zurück liegende (Bei-)Fahrten von Thüringen nach Leipzig, unzählige innerhalb Thüringens und auch einige von Thüringen aus durch Deutschland wachgerufen wurden, auf welchen die ersten zwei Alben sehr häufig liefen. Hach ja, war also gar nicht so schlimm.
Zu Billy Talent habe ich K. und Tb. jedoch ganz schnöde verlassen, das musste dann doch nicht sein, bei aller Liebe. An sich früher mal, und einmal live vor Jahren reichte mir dann irgendwie auch. Dies war dann auch beste Gelegenheit, ein gewisses Camp im Feuchtbiotop C1 aufzusuchen, zu F., L. und noch weiteren Personal-Konsonanten. Aus Insider-Kreisen (oh je, welche werden das wohl sein?) erfahre ich dann auch: BRMC sagen möglicherweise ihren Auftritt am Samstag ab. Ein Schock! Wo war sie gleich nochmal, die Gefühlsachterbahn? Darauf erstmal ein Wein, oder zwei, eben so viel, wie geht. Danke, F.!
Auf dem infolge dessen leicht unscharfen Rückweg später zu C3 war ich natürlich auch stets darauf bedacht, auf jeden Fall alle Pfützen zu treffen, hatte ich ja sinnvollerweise nur Stoffschuhe an, für C3 und das Festivalgelände hatte es ja noch gereicht. Auf C3 waren dann sogar noch K., T. und Tb. wach, ebenfalls bei einem Wein. Na dann! Packen wir noch die gute Papp-Sangria aus, man gönnt sich ja sonst nichts. Ebenso wie Schlaf, wir rollten uns so gegen 6 Uhr dann aber doch mal in die Pfanne. Die Arme taten durch ihre leichte Röte ihr Übriges zur Hitzegestaltung. Man hätte sich ja auch vorher mal eincremen können. Hätteternen ... Das kommt davon, wenn man sonst die Sonne auf Teufel komm raus meidet und der Griff zur Sonnencreme dadurch wenig internalisiert ist.
Samstag – Aspirin und Sonnenbrand oder der Tag, als meine ♥-Band absagte
Gegen 8 Uhr – Die Sonne scheint in gewohnter Pracht und ich erwache zum ersten Mal schon leicht am Dünsten im eigenen Saft. Doch an Aufstehen war noch nicht zu denken. Also noch einmal umdrehen, weiter schmoren und versuchen der Hitze mit Schlaf zu begegnen. Immerhin bis 11:30 habe ich es noch ausgehalten, auch wenn es kein Vergnügen war. Zum Frühstück dann erstmal etwas Acetylsalicylsäure, ein quälender Gang zur Dusche und wieder zurück am Zelt galt es darauf zu warten, dass sich nichts mehr dreht und man Appetit auf mehr als kalte Dosen-Klopse bekommt. Demzufolge ist es am heutigen Tag auch viel zu früh für Jupiter Jones um 13:20 Uhr, ein anderes Mal aber gerne!
So ist die erste geplante Band heute The 69 Eyes, die wollte K. gerne sehen, und ich irgendwie auch ein bisschen, hauptsächlich fürs Protokoll. Der erste Gang erfolgt jedoch vorher noch zum Intro-Stand – und erneut fängt es unter den Augen leicht an zu kribbeln, dieses „neue“ Highfield ist aber auch verdammt emotional – denn hier bestätigt sich der Verdacht: BRMC haben abgesagt – aufgrund eines Todesfalles in der Crew. Wie Recherchen ergeben, war es der Vater von Bassist Robert. Mein Beileid der Band und den Angehörigen! Für Fans von Skindred hängt im Übrigen gleich ein ähnlicher Zettel daneben. Auch hier mein Beileid! Einerseits bin ich halb am Boden zerstört, andererseits kann man da ja nun gar nichts machen, man kann sich nicht mal aufregen oder beschweren. Man kann es nur hinnehmen, Verständnis zeigen und respektieren.
Nun The 69 Eyes, Zeit zum Verarbeiten. Vielleicht denken einige, ich übe mich hier in übertriebener Theatralik, „herumzuheulen“ wegen einer Band, aber andererseits glaube ich auch, dass es Menschen gibt, denen es mit bestimmten Bands ähnlich gehen würde. Ich versuche dann doch noch, mich auf die gerade spielende Kapelle einzulassen und ein bisschen zu Berlin und Lost Boys zu wippen. Aber irgendwie kommt mir das inzwischen dann doch alles ein wenig wie Altherren-Goth-Rock vor. Naja, wir werden ja alle nicht jünger.
Danach bleiben K. und ich noch zu den Broilers, ich begnüge mich aber mit meinem schattigen Sitzplatz neben einem Nord-Bier-Stand, zu schwach, und Interesse auch eher mäßig.
Vor Revolverheld geht es dann erstmal wieder zurück auf den Zeltplatz. Danko Jones habe ich auch schon mal gesehen, finde ich zwar ganz gut, aber mein Interesse hielt sich heute dennoch in Grenzen. Von Madsen mal ganz zu schweigen: „Du schreibst Geeschichtäääää...“ Also erstmal noch etwas relaxen und auf den nächsten wichtigen Programmpunkt warten.
Zu späterer Stunde vor der nächsten Band noch ein kurzer Abstecher zum Sani-Zelt für eine kleine Ladung Panthenol und dann noch das obligatorische BRMC-Shirt erwerben. Jetzt kann ich es ja tragen, wo sie nicht spielen, und das tue ich, verdammte Scheiße! So! Auf jeden Fall war ich dann auch unglaublich pünktlich zu Biffy Clyro wieder im Zelt, wo ich dann sogar noch F. traf. Und naja, der Auftritt war ganz ok, aber irgendwie hat es mich nicht so wirklich geflasht, was soll ich sagen?Aber sie spielten heute sogar „Machines“, wunderschön, ließen sie es doch vor zwei Monaten auf dem Hurricane bleiben. Wobei ich im Nachhinein auch nicht mehr zwangsläufig meine Großmutter darauf verwetten würde, das Gedächtnis lässt echt nach. Doreeeeheeeen???
Draußen fängt parallel derweil Unheilig an, K. ist auch schon da, den ich mir entgegen der ursprünglichen Planung nach Biffy doch noch angucken will, Stichwort „Schadensbegrenzung“ (F.). Nun ja, lieber Graf, ich verfüge über dein musikalisches Schaffen mit Ausnahme des aktuellen Albums, war vor geraumer Zeit mit K. immerhin auf mindestens drei Konzerten von dir, an genaue Zahlen kann ich mich nicht erinnern. Und nun, nach all den Jahren kommt mir deine Erscheinung hier auf dem Highfield unmittelbar vor Placebo doch sehr grotesk vor, gar skurril. Kein Frage, es war ein typischer Unheilig-Auftritt, für ein Festival vielleicht etwas zu sehr in die Länge gezogen, doch die bekannte Attitüde und Gestiken waren da, der Pathos war da, auch wenn dieser am Ende bei den meisten wohl eher für Gelächter sorgte. Und zu meiner großen und durchaus positiven Überraschung hast du sogar „Maschine“ gespielt – mag ich doch eher deine alten Songs, die mehr zur Sache gehen – und auch noch ein paar ältere Stücke, die vermutlich geschlagene drei Prozent der Besucher kannten, wenn überhaupt. Doch alles in allem, es ist etwas passiert, du bist hier fehl am Platz! Erfolg hin oder her, Major-Label hin oder her, um Platten zu verkaufen muss man nicht zum ZDF-Frühstücksfernsehen oder gar zu GZSZ, aus Gruft muss kein Schlager werden – dich könnte inzwischen sogar meine Oma anhören – irgendwann ist der Bogen dann doch mal überspannt. Ich wünsche dir noch ein glückliches Leben und viel Erfolg für deine zukünftige Karriere!
Nach einer kurzen Pause auf dem Gelände warten wir noch den Anfang von Placebo ab. Was habe ich auf diese Band gewartet. Seit 2003, als ich sie zum ersten Mal sehen durfte, warte ich auf einen weiteren Festival-Auftritt, den ich wahrnehmen konnte. Zu einem Einzelkonzert zog es mich in diesem Fall nie, oder es hat sich nie ergeben. So wartete ich – bis zum letzten Album, dann verging mir irgendwie schlagartig die Lust an dieser Band. Und was passiert? Richtig: Sie spielen das Highfield! Ganz großes Kino! Nun ja, im Grunde können sie mir heute gestohlen bleiben, doch wir warten zumindest für K. noch „Every You And Every Me“ ab. Für mich kam der Titel überraschend früh. Was soll ich sagen, nicht meine bevorzugte Version, eben wie von Platte. Mir fehlte ein gewisses, oben genanntes Finale (über temporäre Differenzen möchte ich an dieser Stelle nicht streiten), da kenne ich eine Cover-Kapelle, die besser kann – oder zumindest besser konnte. Aber immerhin durfte ich diese andere Version schon 1-2 mal live hören. Naja, den Rest schenken wir uns. Nein, Jungs, ihr nehmt mich heute nicht mit! Placebo war einmal.
So geht es auch schon vorzeitig wieder zurück zu C3, doch wir sind nicht die Einzigen. Nach einer kurzen Schaffenspause im Lager und dem heute vorsorglichen Schwung in die Gummi-Stiefel geht es für mich dann auch schon wieder zurück zu C1 auf ein kleines Geburtstagskränzchen.
Auf dem späteren Rückweg werden mir wieder schlagartig die Unterschiede zwischen den Zeltplätzen bewusst, so rein soziologisch betrachtet. So kann man auf C1/2, welche übrigens nicht sichtbar voneinander getrennt sind, des nachts fast die Grillen zirpen hören. In der Ferne lärmt es und je weiter man sich C3 nähert, um so lauter wird es. Zwischen C2 und C3 könnte man beinahe meinen, man muss durch eine Schleuse, zwischenzeitlich habe ich hier sogar Securities herumstehen sehen, so als sollte der Mob von C3 von C1/2 ferngehalten werden. Sehr faszinierend! Und so ist es auch interessant zu beobachten, dass man sich mit Durchqueren der „Schleuse“ sofort in einer anderen Welt wieder findet. In regelmäßigen Abständen finden sich kleinere und größere Gruppen in fröhlichem Miteinander. Und was tun die? Klar, die trinken auch, aber was noch viel besser ist: Sie singen! Und das in Massen. Toll, wenn 40-50 Leute gemeinschaftlich „Uffta, uffta, uffta, tätära!“ singen, und nicht nur drei volltrunkene Hanseln. Dieser Gemeinschaftssinn berührt mich dann doch etwas, ich möchte meinen, ich bin entzückt. Stichwort Gefühlsachterbahn! Doch das ist noch nichts gegen das, was später noch stattfinden soll. Fortsetzung folgt!
Sonntag – Im Eimer oder Panthenol! Panthenol!
An den heutigen Morgen kann ich mich kaum erinnern, Fakt ist jedoch, mein Sonnenbrand hat sich am gestrigen Tag ungehindert von meinen Armen aus über meine Schultern und über dem Brustbereich ausgebreitet. Diese Schlampe! Das ganze Ausmaß wird mir erst beim Gang zu den Waschtrögen klar, als ich einen Blick in den Spiegel über diesen wagte. Wie gut, dass die Sanis einen Stützpunkt in unmittelbarer Nähe hatten. Also nochmal nach Panthenol betteln gehen und ein wenig vor mich hin jammern.
Minus the Bear fällt heute auch flach, diese Sonntag-Mittags-Auftritte bringen mir aber auch keine Punkte. K. wollte hingegen heute gerne Jennifer Rostock sehen und ich dachte mir, naja, was solls. Irgendwo hieß es, das Programm hat sich um eine halbe Stunde verschoben, allerdings konnte sich dies nicht bestätigen, denn als wir am Gelände ankamen, wurde bereits für Melissa auf der Maur („there's no missing e“) aufgebaut. Diese wollte ich mir übrigen eigentlich auch nur anschauen, weil sie für kurze Zeit bei meinen Jugendhelden Smashing Pumpkins gespielt hat. Naja, umgehauen hat die Gute mich am Ende nicht und wir sind nach kurzer Zeit wieder über das Gelände nach anderweitiger Unterhaltung gepirscht, bzw. vorsorglich schon mal ins Zelt – sitzen , Schatten, göttlich! – und warteten dort auf OK Go, die Laufband-Kapelle. Jedoch brennt mein Sonnenbrand unermüdlich weiter (um noch etwas zu jammern und diesen Bericht sinnlos in die Länge zu ziehen) und legte sich mehr oder weniger auf meinen Kreislauf. Doch ich wollte unbedingt die folgende Band sehen und quälte mich schließlich wieder in den Stand, war ich nun einmal da und die Zeit des Auftrittes darauf bedacht, halbwegs gerade zu stehen und mich nicht hinsetzen zu müssen. Aber OK Go waren echt toll, ich konnte es zwar nicht gänzlich genießen, aber eine sehr sympathische Band, bei der sich der Sänger auch nicht zu schade ist, ein Lied inmitten der Menge zu singen. Äußerst erfreulich!
Im Anschluss wollen wir erstmal wieder zurück auf den Zeltplatz, doch ich mache noch einen kurzen Abstecher zu den Sanis neben der Bühne, lerne ich die auch mal kennen. Am liebsten hätte ich mich dort erstmal etwas hingelegt, wollte jedoch auch nicht direkt danach fragen, aber da ich noch selbstständig hin laufen konnte, sah das für die wohl nicht so schlimm aus und ich bekam nur eine neue Ladung Panthenol. „Habt ihr auch was Stärkeres?“ Aber der Sani „beruhigte“ mich mit den Worten: „Bis zur Hochzeit ist es wieder gut!“ Na prima, welche Hochzeit? Ich werde ewig verbrannt sein.
Also schleppe ich mich langsam aber sicher wieder zu C3, nicht ohne dabei alle paar Meter „angefeuert“ zu werden: „Du hast dich verbrannt“, „Du hast Sonnenbrand“ usw. Ach was? Ist mir gar nicht aufgefallen. Danke, Leute!
Im Camp legte ich mich erstmal hin, in der Hoffung, zu Band of Horses (18:15) wieder halbwegs fit zu sein. Meiner zweitwichtigsten Band auf diesem Festival. Doch daraus wurde nichts. Gegen 18:00 Uhr wachte ich wieder auf und dachte mir nur: „Nääää!“ Naja, BRMC kamen nicht, da kommt es jetzt auf die Nummer zwei eigentlich auch nicht mehr an. Und der Auftritt nützt mir auch herzlich wenig, wenn ich die ganze Zeit nur gegen das Langlegen ankämpfen muss. Und ich rede mir einfach ein, dass ich Band of Horses irgendwann mal sehen werde. Nur ruhig Blut, es ist noch nicht aller Tage Abend. K. machte sich mit T. und Anhang kurz darauf auf zu NOFX und folgenden Bands, ich blieb und wollte noch etwas gegen den Brand anschlafen – oder mir zumindest in der Not schöne Gedanken machen.
20:35 – SMS von K., bitte das Zelt wegen Regen zu schließen. Doch das war längst geschehen, so viel Kraft hatte ich dann doch noch. Und kurz darauf ging es los, der Regen wurde stärker, der Himmel immer dunkler und die Umgebungsmusik wurde von Donnergeräuschen übertönt. In der Ferne schreien Mädchen. Plötzlich kommt mir das Zeltdach entgegen. Ich zucke zusammen und denke mir nur: „Mist!“ Doch der Wind tut sein Übriges, das Zelt richtet sich wieder auf und durch das Zeltfenster kann ich noch den davon fliegenden Pavillon sehen. Adrenalin-Schub! Ich musste unweigerlich an fliegende Kühe denken. Kurze Zeit darauf landet wieder etwas in der Zeltwand (wie sich später herausstellt, ein anderer Pavillon, doch halb so wild). Die restliche Zeit des Unwetters bin ich damit beschäftigt zu kontrollieren, ob das Zelt auch noch überall trocken ist und die Arme über dem Kopf verschränkt auf den nächsten Einschlag zu warten. Unterdessen stelle ich mir aber auch die Frage, ob es eigentlich klug ist, hier drin zu bleiben, oder ob ich lieber rausgehe, so zwecks Blitzeinschlag und umherfliegenden Einrichtungsgegenständen. Wie war das Sprichwort noch gleich mit den Bäumen? Bier auf Wein, das lass sein? Hm, das nützt mir irgendwie gerade auch nichts. Ich entscheide mich fürs liegen bleiben, so bleibe ich zumindest fürs erste noch trocken. Kurz darauf kommen dann auch K. und so weiter wieder, Fettes Brot mussten unterbrechen. Also kurze Schadenaufnahme. Die Zelte sind weitgehend in Ordnung, die zwei Camp-Pavillons waren einmal, mein Tisch hingegen steht wie eine 1 und glänzt wieder tiefenrein.
T. und die anderen gehen wieder zum Festivalgelände, K. bleibt noch kurz und wartet auf Nachlassen des Regens, doch kurz danach will sie auch wieder gehen und ich entscheide mich dazu, doch noch mitzukommen, zumindest noch Blink 182 sehen, Stichwort Schadensbegrenzung. Also hinein in die Mülltüte (ich habe es tatsächlich in meiner Festivallaufbahn noch nicht geschafft, mir einen rosa Regenponcho zu ergattern, oder inzwischen auch in anderen Farben) und auf gehts. Bis wir am Gelände sind (remember C3), lässt dann auch langsam der Regen nach, aber die Gummi-Stiefel können sich endlich mal austoben. Und naja, Blink waren ganz nett, hat mich jetzt aber auch nicht umgehauen, hauptsache sie haben „Miss you“ gespielt, reicht mir, ich bin genügsam von Zeit zu Zeit.
Auf dem Rückweg stellen wir wieder einmal fest, wie still es auf C1/2 ist und nach Durchschreiten besagter „Schleuse“ gelangen wir mitten in ein „Festival-Wunder“! Wie geil ist das denn? 50 Leute tanzen und singen ausgelassen und völlig Banane. Ich denke mir nur spontaner Flashmob. Das Lied wird immer und immer wieder wiederholt, immer wieder springen die Menschen auf und tanzen wie die Bienen – und es werden immer mehr! Und es wird mit keinem Mal langweiliger. Der Wahnsinn! Als wir schließlich weiter gehen werden es so 100 gewesen sein. Einfach nur toll, so muss das laufen, nicht immer die ewigen Sandalen, pardon, Randalen und brennenden Zelte/Dixis/Pavillons. Ach, wie ist das schön! So lassen wir das Wochenende auf dem in fröhlicher Eintracht feiernden C3 bei einem kleinen Feuerwerk (nicht unseres) ausklingen und ich muss sagen, es ist das erste Mal, dass ich mich zur Festival-Sonntagsnacht nicht unwohl fühle.
In diesem Sinne: Vielleicht bis nächstes Jahr, liebes Highfield!
Und wer diesen Bericht tatsächlich komplett gelesen hat, bekommt ein Bienchen ins Muttiheft. (nur Selbstabholer)
Anmerkung: Alle Äußerungen verstehen sich selbstverständlich als höchst subjektiv, die möglicherweise wilden Thesen zum musikalischen Geschehen beanspruchen keine Allgemeingültigkeit, sondern entspringen lediglich meinen persönlichen synaptischen Verflechtungen. Des Weiteren habe ich mich seit geraumer Zeit nicht mehr intensiv mit dem aktuellen Musikgeschehen befasst, man möge es mir nachsehen.
Freitag – Der Zehbruch oder „Ihr seid die Linken – und ihr seid die anderen Linken!“
09:50 Uhr, irgendwo in Leipzig – Wie ein elfengleiches Walross schwebe ich die Stufen hinunter, um alle notwendigen Utensilien für das bevorstehende Event auf die Straße zu wuchten. K. wollte mich so gegen 10 Uhr abholen. Dies wird auch das erste Festival seit Jahren, zu dem ich erst Freitag anreise. Doch das macht nichts. Im Vorfeld war geplant, dass Freunde und Bekannte von K. am Donnerstag anreisen und uns Plätze frei halten. Somit war kein Stress angesagt. Doch dann, am Mittwoch Abend die Meldung von FKP: Das Gelände kann aufgrund von wässrigen Bodenverhältnissen erst am Freitag geöffnet werden. Soweit, so gut, für uns hieß das dann auch erstmal gar nichts, außer, dass wir uns jeweils noch kurzfristig Gummi-Stiefel besorgt haben. Ebenfalls meine ersten, dabei ist das weiß Gott nicht gerade mein erstes Festival, aber bisher ging es immer so. Doch nun, ein neues Gelände und Wetterwarnungen mahnen zur Umsicht.
10:30 – Von K. weit und breit keine Spur. Ich hoffe auf Stau und unvorhergesehene Verspätungen und übe mich in Geduld. Jetzt nur kein Stress, Platz wird schon noch sein.Circa 10:45 – Endlich, sie ist da, Freude, Freude! Und auch Freude über die jedes Mal auftauchende Erkenntnis, dass man, mit einer Gepäckmenge einer Auswanderung gleich, für geschlagene drei Tage als Kind schon öfter mal Tetris gespielt haben sollte. Aber was solls, am Ende bekommen wir alles unter, der Weg ist zum Glück auch nicht übertrieben weit und so geht es nach einem kurzen Zwischenstopp im nahe gelegenen Kaufland Richtung Störmthaler See. Doch halt, wir wären nicht wir, wenn wir es nicht in besagter Einkaufsmöglichkeit noch geschafft hätten, K.s rechten kleinen Zeh mit Hilfe eines aus etwa 10 cm Höhe fallenden 5-Liter-Fasses zu zerschmettern. Ein gelungener Start ins Wochenende. Habe ich schon erwähnt, dass sie fährt?
Uhrzeit vergessen, ist jetzt auch egal – Wir nähern uns dem Gelände, manövrieren das kleine Auto durch die durch Regenfälle und Massen an Autos natürlich gewachsenen Loipen auf dem Parkplatz ganz nach hinten, wäre ja sonst langweilig. Spazieren ist gesund, vor allem mit dem defekten Zeh. Lauf dem Schmerz davon, K., lauf! Auf dem Zeltplatz werden wir bereits von T. erwartet, welcher mit seiner Anhängerschaft auf Verdacht doch schon am Vortag angereist ist. Und siehe da, C3 wurde doch schon Donnerstag geöffnet, also zelten wir hier, weit ab vom Festival-Gelände und vom Schuss sowieso, was sich im Nachhinein aber als gar nicht so schlecht erwies, Wege und Zeltplatz waren hier in gutem Zustand. Und es gibt später auch noch ein anderes Highlight.
Irgendwann waren wir dann auch mit Zeltaufbau, Gepäck umhertragen und kurzem Relaxen fertig. Also erste Station: Sani-Zelt! Da noch nicht viel los war, kümmerten sich auch gleich mal fünf Leute um den kleinen Zeh. K. war übrigens der etwa 16. Fall, bisher gab es aber nur leichte Fälle, sowas wie Übelkeit und ... Mückenstiche! Ja, ist ja auch kreuzgefährlich sowas, da kratzt man mir nichts dir nichts und völlig gedankenverloren daran herum und plups: entzündet sich der ganze Mist und das Bein muss amputiert werden. Jaha, wer kennt es nicht?
Wie dem auch sei, eigentlich wollte ich heute gleich zum Opener Frank Turner, aber ich habe mich dann damit abgefunden, aufgrund der verschiedenen Umstände erst später hingehen zu können. Denn den Herren habe ich schon mal gesehen. Wobei ein weiteres Mal jetzt auch nicht geschadet hätte. Ebenso Herrenmagazin, auch wenn es hier schon etwas länger her ist. Millencolin durfte ich auch schon mal sehen, allerdings war hier eine Wiederholung für mich persönlich zumindest nicht nötig.
Aber dann, wir schaffen es tatsächlich noch zu Good Shoes ins Zelt, die ich aufgrund des Slots von Sonntag Mittag auf dem diesjährigen Hurricane nicht sehen „konnte“. Allerdings scheine ich auch nicht viel verpasst zu haben, mir kommt das alles sehr gleichmäßig vor. Wie auch auf dem Album, das ich habe. Doch zum Schluss noch eine kleine Überraschung, das letzte Lied scheint etwas neuer, ich vermute mal, es gibt ein neues Album. Auf jeden Fall klingt es etwas frischer und für mich zumindest wie mal an We are Scientists vorbei gelaufen, womit ich gut leben kann. Wieder raus aus dem Zelt, hinein in die Sonne und ich bin über meine eigene Hitzeverträglichkeit heute verblüfft, während andere sich schon vor der Bühne räkeln und nach Schatten lechzen. Aber erstmal ein Eis!
Auf der Hauptbühne hat derweil The Gaslight Anthem angefangen, meine heutige Überraschungs-Band, mein kleines Highlight auf diesem Festival. Auch wenn ich im Vorfeld von dieser nicht allzu viel mitbekommen habe, mal abgesehen von einem Song, der in letzter Zeit regelmäßig zumindest nachts auf MTV lief. Gab es da vielleicht einen kleinen Hype? Wie auch immer, die Jungs liefern mir hier für meine Begriffe soliden, ich nenne es mal klassischen, Rock ab, der mich zwar ansatzweise an die amerikanischen 1990er erinnert, jedoch nicht in diesen hängen geblieben ist, wie etwa bei den Altherrenrockern Stone Temple Pilots. Nein, hier wird eine kleine Rock-Erfrischung geboten, passend für die 2010er. Nach meiner Einschätzung findet sich das Ganze abseits vom vorherrschenden Indie, bewegt sich vom Härtegrad etwa zwischen Good Shoes und Millencolin wieder, um bei hiesigen Highfield-Bands zu bleiben und eine schöne rauchige Stimme gibt es gleich auch noch dazu. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass schließlich noch AC/DC angespielt wird, soviel zum klassischen Rock. Ein paar Sprüche lassen sie sich natürlich auch nicht nehmen. Ja, ja, Bush ist weg, wir können die Amis wieder lieb haben und nicht nur zu den Hives hemmungslos mitschreien, die USA sind jetzt so sympathisch wie Kanada und wir gründen eine Regierung aus Tegan&Sara, Billy Talent, Wolfmother und ... ähm ... ich glaube The Courteeners? Naja, man kann sich nicht alles merken. In diesem Sinne: Danke, The Gaslight Anthem! I almost heart you!
K. hat mich während des Auftritts auch schon wieder verlassen, um Tb. abzuholen, also schwinge ich mich geschwind mehr oder weniger allein zurück ins Zelt zu den Fotos. Die habe ich nun auch schon seit geraumer Zeit nicht gehört, denke beim Hingehen jedoch unweigerlich an die „Hamburger Schule“, warum auch immer. Auf jeden Fall verkünden sie gleich, dass es ein neues Album gibt, ich glaube „Porzellan“, und auch den Titel „Nach dem Goldrausch“ kenne ich noch nicht, bin jedoch postitiv mitgenommen. So fühlte ich mich gegen Ende des Titels wie in einem interpolesken PDA-Rausch – ich liebe solche Finale. Der Vergleich mag für einige hinken, für mich nicht. Wie ich bei nachträglichen oberflächlichen Recherchen heraus fand, scheinen sie diese Version aber nur live zu spielen. Schade, aber ich habe es ja hören dürfen. Und wer den Vergleich mit Interpol schon scheiße fand, der wird jetzt lachen oder wahlweise den Kopf gegen die Wand schlagen, denn beim drittletzten Lied musste ich ernsthaft an Joy Division denken, vor allem, was den Rhythmus und das Schlagzeug angeht. In diesem Sinne, der Auftritt hat gefallen! Danke, Woody, danke! (Pardon, falsche Band) Bei den Fotos habe ich im Übrigen auch schon L. treffen können, jedoch verloren wir uns beim Hinausgehen schon wieder auf unerklärliche Weise. Nun ja, dann bis später!
Draußen haben bereits Gogol Bordello angefangen. Nomen est Omen dachte ich mir im Vorfeld und zeigte mich heute für diese Musik nur mäßig interessiert. Im Übrigen sollte ich Recht behalten: Wer Ska mag, wird diese Band ... möglicherweise auch ganz gut finden. Aber mich lockte an dieser Stelle auch kein Eagles-of-Death-Metal-Porno-Balken vor die Bühne. Nach einer kurzen Korrespondenz stellte ich fest, dass K. noch Tb. beim Zeltaufbau half, aber sie waren so gut wie auf dem Weg. Also eine halbe Stunde bis zur nächsten Zeltband Zeit für mich, das Gelände zu erkunden. Sehr weitläufig das Ganze – und sehr uneben, aber das war ja zu erwarten und eigentlich nicht weiter schlimm, es ist ja noch hell und die Sanis in der Nähe. Aber es ging gut. Erschreckend musste ich jedoch bald feststellen, dass auf dem Festival-Gelände ausschließlich Dixi-Klos ausgestellt waren. Versteht mich nicht falsch, ich sehne mich nicht nach übertriebenem Luxus und mir ist klar, dass das hier ein Festival ist, aber Toiletten-Container sind doch mittlerweile Standard, auch am alten Highfield-Standort und wozu sollte man sich besonders an dieser Stelle wieder zurück entwickeln? Nun gut, vielleicht im nächsten Jahr wieder.
Die halbe Stunde ist inzwischen fast um, K. und Tb. kündigen sich an und ich hole sie vom Eingang ab. Von dort geht es dann auch gleich ins Zelt zu The Drums, die ich irgendwie schon gerne sehen wollte. Allerdings ging mir während des Auftrittes dann nicht mehr so ganz auf, warum eigentlich. So besonders war es dann doch nicht, um nicht zu sagen, ich fand es ziemlich langweilig.
Dann doch lieber mit den anderen gleich zum Beginn von WIZO, was solls. Wenn auch meine etwas aktivere Punk-Musik-Phase schon etwas zurückliegt, schätzungsweise zehn Jahre (bin ich schon so alt?), WIZO muss ich wohl schon rein aus verwandtschaftstechnischen Gründen gut finden. Ja, ja, die Sozialisation, wo sie uns nur hinführt. Aber ich fühlte mich ganz gut unterhalten. Als sie schließlich anfingen, die Meute zu teilen, tat mir beim bloßen Gedanken an eine Wall of Death zwar schon alles weh, doch erstmal wurden alle in scheinbarer Sicherheit gewogen. Zunächst sollte nur gesungen werden. Wie zu erwarten kam der Startschuss zum „Showdown“ kurz darauf, aber wozu ist es eine Punkband geworden, also immer rinn in die Masse. Viel Spaß dabei, ich stehe hier hinten auch ganz gut.
Zu Kap Bambino wollten wir dann nicht zwingend und Tb. sowieso lieber zu Wir sind Helden. Doch bis dahin ist noch etwas Zeit. Also begeben wir uns für K. auf die Suche nach gepanschtem Bier und werden tatsächlich bei einem kleinen Stand fündig. K. freut sich wie Bolle, die Bedienung freut sich wie Bolle über K., die sich wie Bolle freut. Ein heiteres Miteinander. Was für ein Schauspiel! Und nach diesem geht es auch gleich zum nächsten: Bungee-Gaffen! Der Korb ist schon oben, aber nichts tut sich. Nach ein paar Minuten kommt dieser auch wieder herunter. Na, doch Schiss gehabt? Aber dann trauen sich doch noch welche, und das immerhin bekleidet. Wunderschön!
Auf gehts wieder zur Bühne. Wir sind Helden wollte ich eigentlich gar nicht sehen. Doch ich dachte mir heute so: „Sei kein Amphibinoid“, um den schubertschen Imperativ anzuwenden, „lege die pseudo-elitäre Konzert-Arroganz ab und guck dir den Quatsch halt an!“ Und siehe da, nach den ersten drei Liedern wurde ich dann doch von einem alten Titel mitgerissen, um nicht zu sagen mir kribbelte es leicht unter den Augen vor Begeisterung. Eine regelrechte Gefühlsachterbahn. Pathos-Scheiße? Vielleicht, ist mir aber herzlichst egal! Und mitsingen konnte ich im weiteren Verlauf auch noch, oh je. Einige empfanden die Songauswahl eher langweilig, wie ich später erfuhr, mir gefiel es heute. Könnte auch daran liegen, dass Erinnerungen an etliche weit zurück liegende (Bei-)Fahrten von Thüringen nach Leipzig, unzählige innerhalb Thüringens und auch einige von Thüringen aus durch Deutschland wachgerufen wurden, auf welchen die ersten zwei Alben sehr häufig liefen. Hach ja, war also gar nicht so schlimm.
Zu Billy Talent habe ich K. und Tb. jedoch ganz schnöde verlassen, das musste dann doch nicht sein, bei aller Liebe. An sich früher mal, und einmal live vor Jahren reichte mir dann irgendwie auch. Dies war dann auch beste Gelegenheit, ein gewisses Camp im Feuchtbiotop C1 aufzusuchen, zu F., L. und noch weiteren Personal-Konsonanten. Aus Insider-Kreisen (oh je, welche werden das wohl sein?) erfahre ich dann auch: BRMC sagen möglicherweise ihren Auftritt am Samstag ab. Ein Schock! Wo war sie gleich nochmal, die Gefühlsachterbahn? Darauf erstmal ein Wein, oder zwei, eben so viel, wie geht. Danke, F.!
Auf dem infolge dessen leicht unscharfen Rückweg später zu C3 war ich natürlich auch stets darauf bedacht, auf jeden Fall alle Pfützen zu treffen, hatte ich ja sinnvollerweise nur Stoffschuhe an, für C3 und das Festivalgelände hatte es ja noch gereicht. Auf C3 waren dann sogar noch K., T. und Tb. wach, ebenfalls bei einem Wein. Na dann! Packen wir noch die gute Papp-Sangria aus, man gönnt sich ja sonst nichts. Ebenso wie Schlaf, wir rollten uns so gegen 6 Uhr dann aber doch mal in die Pfanne. Die Arme taten durch ihre leichte Röte ihr Übriges zur Hitzegestaltung. Man hätte sich ja auch vorher mal eincremen können. Hätteternen ... Das kommt davon, wenn man sonst die Sonne auf Teufel komm raus meidet und der Griff zur Sonnencreme dadurch wenig internalisiert ist.
Samstag – Aspirin und Sonnenbrand oder der Tag, als meine ♥-Band absagte
Gegen 8 Uhr – Die Sonne scheint in gewohnter Pracht und ich erwache zum ersten Mal schon leicht am Dünsten im eigenen Saft. Doch an Aufstehen war noch nicht zu denken. Also noch einmal umdrehen, weiter schmoren und versuchen der Hitze mit Schlaf zu begegnen. Immerhin bis 11:30 habe ich es noch ausgehalten, auch wenn es kein Vergnügen war. Zum Frühstück dann erstmal etwas Acetylsalicylsäure, ein quälender Gang zur Dusche und wieder zurück am Zelt galt es darauf zu warten, dass sich nichts mehr dreht und man Appetit auf mehr als kalte Dosen-Klopse bekommt. Demzufolge ist es am heutigen Tag auch viel zu früh für Jupiter Jones um 13:20 Uhr, ein anderes Mal aber gerne!
So ist die erste geplante Band heute The 69 Eyes, die wollte K. gerne sehen, und ich irgendwie auch ein bisschen, hauptsächlich fürs Protokoll. Der erste Gang erfolgt jedoch vorher noch zum Intro-Stand – und erneut fängt es unter den Augen leicht an zu kribbeln, dieses „neue“ Highfield ist aber auch verdammt emotional – denn hier bestätigt sich der Verdacht: BRMC haben abgesagt – aufgrund eines Todesfalles in der Crew. Wie Recherchen ergeben, war es der Vater von Bassist Robert. Mein Beileid der Band und den Angehörigen! Für Fans von Skindred hängt im Übrigen gleich ein ähnlicher Zettel daneben. Auch hier mein Beileid! Einerseits bin ich halb am Boden zerstört, andererseits kann man da ja nun gar nichts machen, man kann sich nicht mal aufregen oder beschweren. Man kann es nur hinnehmen, Verständnis zeigen und respektieren.
Nun The 69 Eyes, Zeit zum Verarbeiten. Vielleicht denken einige, ich übe mich hier in übertriebener Theatralik, „herumzuheulen“ wegen einer Band, aber andererseits glaube ich auch, dass es Menschen gibt, denen es mit bestimmten Bands ähnlich gehen würde. Ich versuche dann doch noch, mich auf die gerade spielende Kapelle einzulassen und ein bisschen zu Berlin und Lost Boys zu wippen. Aber irgendwie kommt mir das inzwischen dann doch alles ein wenig wie Altherren-Goth-Rock vor. Naja, wir werden ja alle nicht jünger.
Danach bleiben K. und ich noch zu den Broilers, ich begnüge mich aber mit meinem schattigen Sitzplatz neben einem Nord-Bier-Stand, zu schwach, und Interesse auch eher mäßig.
Vor Revolverheld geht es dann erstmal wieder zurück auf den Zeltplatz. Danko Jones habe ich auch schon mal gesehen, finde ich zwar ganz gut, aber mein Interesse hielt sich heute dennoch in Grenzen. Von Madsen mal ganz zu schweigen: „Du schreibst Geeschichtäääää...“ Also erstmal noch etwas relaxen und auf den nächsten wichtigen Programmpunkt warten.
Zu späterer Stunde vor der nächsten Band noch ein kurzer Abstecher zum Sani-Zelt für eine kleine Ladung Panthenol und dann noch das obligatorische BRMC-Shirt erwerben. Jetzt kann ich es ja tragen, wo sie nicht spielen, und das tue ich, verdammte Scheiße! So! Auf jeden Fall war ich dann auch unglaublich pünktlich zu Biffy Clyro wieder im Zelt, wo ich dann sogar noch F. traf. Und naja, der Auftritt war ganz ok, aber irgendwie hat es mich nicht so wirklich geflasht, was soll ich sagen?Aber sie spielten heute sogar „Machines“, wunderschön, ließen sie es doch vor zwei Monaten auf dem Hurricane bleiben. Wobei ich im Nachhinein auch nicht mehr zwangsläufig meine Großmutter darauf verwetten würde, das Gedächtnis lässt echt nach. Doreeeeheeeen???
Draußen fängt parallel derweil Unheilig an, K. ist auch schon da, den ich mir entgegen der ursprünglichen Planung nach Biffy doch noch angucken will, Stichwort „Schadensbegrenzung“ (F.). Nun ja, lieber Graf, ich verfüge über dein musikalisches Schaffen mit Ausnahme des aktuellen Albums, war vor geraumer Zeit mit K. immerhin auf mindestens drei Konzerten von dir, an genaue Zahlen kann ich mich nicht erinnern. Und nun, nach all den Jahren kommt mir deine Erscheinung hier auf dem Highfield unmittelbar vor Placebo doch sehr grotesk vor, gar skurril. Kein Frage, es war ein typischer Unheilig-Auftritt, für ein Festival vielleicht etwas zu sehr in die Länge gezogen, doch die bekannte Attitüde und Gestiken waren da, der Pathos war da, auch wenn dieser am Ende bei den meisten wohl eher für Gelächter sorgte. Und zu meiner großen und durchaus positiven Überraschung hast du sogar „Maschine“ gespielt – mag ich doch eher deine alten Songs, die mehr zur Sache gehen – und auch noch ein paar ältere Stücke, die vermutlich geschlagene drei Prozent der Besucher kannten, wenn überhaupt. Doch alles in allem, es ist etwas passiert, du bist hier fehl am Platz! Erfolg hin oder her, Major-Label hin oder her, um Platten zu verkaufen muss man nicht zum ZDF-Frühstücksfernsehen oder gar zu GZSZ, aus Gruft muss kein Schlager werden – dich könnte inzwischen sogar meine Oma anhören – irgendwann ist der Bogen dann doch mal überspannt. Ich wünsche dir noch ein glückliches Leben und viel Erfolg für deine zukünftige Karriere!
Nach einer kurzen Pause auf dem Gelände warten wir noch den Anfang von Placebo ab. Was habe ich auf diese Band gewartet. Seit 2003, als ich sie zum ersten Mal sehen durfte, warte ich auf einen weiteren Festival-Auftritt, den ich wahrnehmen konnte. Zu einem Einzelkonzert zog es mich in diesem Fall nie, oder es hat sich nie ergeben. So wartete ich – bis zum letzten Album, dann verging mir irgendwie schlagartig die Lust an dieser Band. Und was passiert? Richtig: Sie spielen das Highfield! Ganz großes Kino! Nun ja, im Grunde können sie mir heute gestohlen bleiben, doch wir warten zumindest für K. noch „Every You And Every Me“ ab. Für mich kam der Titel überraschend früh. Was soll ich sagen, nicht meine bevorzugte Version, eben wie von Platte. Mir fehlte ein gewisses, oben genanntes Finale (über temporäre Differenzen möchte ich an dieser Stelle nicht streiten), da kenne ich eine Cover-Kapelle, die besser kann – oder zumindest besser konnte. Aber immerhin durfte ich diese andere Version schon 1-2 mal live hören. Naja, den Rest schenken wir uns. Nein, Jungs, ihr nehmt mich heute nicht mit! Placebo war einmal.
So geht es auch schon vorzeitig wieder zurück zu C3, doch wir sind nicht die Einzigen. Nach einer kurzen Schaffenspause im Lager und dem heute vorsorglichen Schwung in die Gummi-Stiefel geht es für mich dann auch schon wieder zurück zu C1 auf ein kleines Geburtstagskränzchen.
Auf dem späteren Rückweg werden mir wieder schlagartig die Unterschiede zwischen den Zeltplätzen bewusst, so rein soziologisch betrachtet. So kann man auf C1/2, welche übrigens nicht sichtbar voneinander getrennt sind, des nachts fast die Grillen zirpen hören. In der Ferne lärmt es und je weiter man sich C3 nähert, um so lauter wird es. Zwischen C2 und C3 könnte man beinahe meinen, man muss durch eine Schleuse, zwischenzeitlich habe ich hier sogar Securities herumstehen sehen, so als sollte der Mob von C3 von C1/2 ferngehalten werden. Sehr faszinierend! Und so ist es auch interessant zu beobachten, dass man sich mit Durchqueren der „Schleuse“ sofort in einer anderen Welt wieder findet. In regelmäßigen Abständen finden sich kleinere und größere Gruppen in fröhlichem Miteinander. Und was tun die? Klar, die trinken auch, aber was noch viel besser ist: Sie singen! Und das in Massen. Toll, wenn 40-50 Leute gemeinschaftlich „Uffta, uffta, uffta, tätära!“ singen, und nicht nur drei volltrunkene Hanseln. Dieser Gemeinschaftssinn berührt mich dann doch etwas, ich möchte meinen, ich bin entzückt. Stichwort Gefühlsachterbahn! Doch das ist noch nichts gegen das, was später noch stattfinden soll. Fortsetzung folgt!
Sonntag – Im Eimer oder Panthenol! Panthenol!
An den heutigen Morgen kann ich mich kaum erinnern, Fakt ist jedoch, mein Sonnenbrand hat sich am gestrigen Tag ungehindert von meinen Armen aus über meine Schultern und über dem Brustbereich ausgebreitet. Diese Schlampe! Das ganze Ausmaß wird mir erst beim Gang zu den Waschtrögen klar, als ich einen Blick in den Spiegel über diesen wagte. Wie gut, dass die Sanis einen Stützpunkt in unmittelbarer Nähe hatten. Also nochmal nach Panthenol betteln gehen und ein wenig vor mich hin jammern.
Minus the Bear fällt heute auch flach, diese Sonntag-Mittags-Auftritte bringen mir aber auch keine Punkte. K. wollte hingegen heute gerne Jennifer Rostock sehen und ich dachte mir, naja, was solls. Irgendwo hieß es, das Programm hat sich um eine halbe Stunde verschoben, allerdings konnte sich dies nicht bestätigen, denn als wir am Gelände ankamen, wurde bereits für Melissa auf der Maur („there's no missing e“) aufgebaut. Diese wollte ich mir übrigen eigentlich auch nur anschauen, weil sie für kurze Zeit bei meinen Jugendhelden Smashing Pumpkins gespielt hat. Naja, umgehauen hat die Gute mich am Ende nicht und wir sind nach kurzer Zeit wieder über das Gelände nach anderweitiger Unterhaltung gepirscht, bzw. vorsorglich schon mal ins Zelt – sitzen , Schatten, göttlich! – und warteten dort auf OK Go, die Laufband-Kapelle. Jedoch brennt mein Sonnenbrand unermüdlich weiter (um noch etwas zu jammern und diesen Bericht sinnlos in die Länge zu ziehen) und legte sich mehr oder weniger auf meinen Kreislauf. Doch ich wollte unbedingt die folgende Band sehen und quälte mich schließlich wieder in den Stand, war ich nun einmal da und die Zeit des Auftrittes darauf bedacht, halbwegs gerade zu stehen und mich nicht hinsetzen zu müssen. Aber OK Go waren echt toll, ich konnte es zwar nicht gänzlich genießen, aber eine sehr sympathische Band, bei der sich der Sänger auch nicht zu schade ist, ein Lied inmitten der Menge zu singen. Äußerst erfreulich!
Im Anschluss wollen wir erstmal wieder zurück auf den Zeltplatz, doch ich mache noch einen kurzen Abstecher zu den Sanis neben der Bühne, lerne ich die auch mal kennen. Am liebsten hätte ich mich dort erstmal etwas hingelegt, wollte jedoch auch nicht direkt danach fragen, aber da ich noch selbstständig hin laufen konnte, sah das für die wohl nicht so schlimm aus und ich bekam nur eine neue Ladung Panthenol. „Habt ihr auch was Stärkeres?“ Aber der Sani „beruhigte“ mich mit den Worten: „Bis zur Hochzeit ist es wieder gut!“ Na prima, welche Hochzeit? Ich werde ewig verbrannt sein.
Also schleppe ich mich langsam aber sicher wieder zu C3, nicht ohne dabei alle paar Meter „angefeuert“ zu werden: „Du hast dich verbrannt“, „Du hast Sonnenbrand“ usw. Ach was? Ist mir gar nicht aufgefallen. Danke, Leute!
Im Camp legte ich mich erstmal hin, in der Hoffung, zu Band of Horses (18:15) wieder halbwegs fit zu sein. Meiner zweitwichtigsten Band auf diesem Festival. Doch daraus wurde nichts. Gegen 18:00 Uhr wachte ich wieder auf und dachte mir nur: „Nääää!“ Naja, BRMC kamen nicht, da kommt es jetzt auf die Nummer zwei eigentlich auch nicht mehr an. Und der Auftritt nützt mir auch herzlich wenig, wenn ich die ganze Zeit nur gegen das Langlegen ankämpfen muss. Und ich rede mir einfach ein, dass ich Band of Horses irgendwann mal sehen werde. Nur ruhig Blut, es ist noch nicht aller Tage Abend. K. machte sich mit T. und Anhang kurz darauf auf zu NOFX und folgenden Bands, ich blieb und wollte noch etwas gegen den Brand anschlafen – oder mir zumindest in der Not schöne Gedanken machen.
20:35 – SMS von K., bitte das Zelt wegen Regen zu schließen. Doch das war längst geschehen, so viel Kraft hatte ich dann doch noch. Und kurz darauf ging es los, der Regen wurde stärker, der Himmel immer dunkler und die Umgebungsmusik wurde von Donnergeräuschen übertönt. In der Ferne schreien Mädchen. Plötzlich kommt mir das Zeltdach entgegen. Ich zucke zusammen und denke mir nur: „Mist!“ Doch der Wind tut sein Übriges, das Zelt richtet sich wieder auf und durch das Zeltfenster kann ich noch den davon fliegenden Pavillon sehen. Adrenalin-Schub! Ich musste unweigerlich an fliegende Kühe denken. Kurze Zeit darauf landet wieder etwas in der Zeltwand (wie sich später herausstellt, ein anderer Pavillon, doch halb so wild). Die restliche Zeit des Unwetters bin ich damit beschäftigt zu kontrollieren, ob das Zelt auch noch überall trocken ist und die Arme über dem Kopf verschränkt auf den nächsten Einschlag zu warten. Unterdessen stelle ich mir aber auch die Frage, ob es eigentlich klug ist, hier drin zu bleiben, oder ob ich lieber rausgehe, so zwecks Blitzeinschlag und umherfliegenden Einrichtungsgegenständen. Wie war das Sprichwort noch gleich mit den Bäumen? Bier auf Wein, das lass sein? Hm, das nützt mir irgendwie gerade auch nichts. Ich entscheide mich fürs liegen bleiben, so bleibe ich zumindest fürs erste noch trocken. Kurz darauf kommen dann auch K. und so weiter wieder, Fettes Brot mussten unterbrechen. Also kurze Schadenaufnahme. Die Zelte sind weitgehend in Ordnung, die zwei Camp-Pavillons waren einmal, mein Tisch hingegen steht wie eine 1 und glänzt wieder tiefenrein.
T. und die anderen gehen wieder zum Festivalgelände, K. bleibt noch kurz und wartet auf Nachlassen des Regens, doch kurz danach will sie auch wieder gehen und ich entscheide mich dazu, doch noch mitzukommen, zumindest noch Blink 182 sehen, Stichwort Schadensbegrenzung. Also hinein in die Mülltüte (ich habe es tatsächlich in meiner Festivallaufbahn noch nicht geschafft, mir einen rosa Regenponcho zu ergattern, oder inzwischen auch in anderen Farben) und auf gehts. Bis wir am Gelände sind (remember C3), lässt dann auch langsam der Regen nach, aber die Gummi-Stiefel können sich endlich mal austoben. Und naja, Blink waren ganz nett, hat mich jetzt aber auch nicht umgehauen, hauptsache sie haben „Miss you“ gespielt, reicht mir, ich bin genügsam von Zeit zu Zeit.
Auf dem Rückweg stellen wir wieder einmal fest, wie still es auf C1/2 ist und nach Durchschreiten besagter „Schleuse“ gelangen wir mitten in ein „Festival-Wunder“! Wie geil ist das denn? 50 Leute tanzen und singen ausgelassen und völlig Banane. Ich denke mir nur spontaner Flashmob. Das Lied wird immer und immer wieder wiederholt, immer wieder springen die Menschen auf und tanzen wie die Bienen – und es werden immer mehr! Und es wird mit keinem Mal langweiliger. Der Wahnsinn! Als wir schließlich weiter gehen werden es so 100 gewesen sein. Einfach nur toll, so muss das laufen, nicht immer die ewigen Sandalen, pardon, Randalen und brennenden Zelte/Dixis/Pavillons. Ach, wie ist das schön! So lassen wir das Wochenende auf dem in fröhlicher Eintracht feiernden C3 bei einem kleinen Feuerwerk (nicht unseres) ausklingen und ich muss sagen, es ist das erste Mal, dass ich mich zur Festival-Sonntagsnacht nicht unwohl fühle.
In diesem Sinne: Vielleicht bis nächstes Jahr, liebes Highfield!
Und wer diesen Bericht tatsächlich komplett gelesen hat, bekommt ein Bienchen ins Muttiheft. (nur Selbstabholer)
bienchen bitte! BDC
AntwortenLöschenich merks mir vor! :D
AntwortenLöschenToller Bericht! Hab mich sehr amüsiert...
AntwortenLöschen3 bienchen! ich wollte eigentlich schon vor ner halben stunde ins bett, aber ich konnte bei so viel amusement dann doch nicht aufhören.
AntwortenLöschentoll geschrieben, hab gut gelacht :D. mein highlight waren die fliegenden kühe.
bitte mehr davon :). also von den texten, nicht den kühen.
zu biffy: ähm, ähm, kann ich dir leider auch gerade nicht mehr sagen. aber ich glaube, du hast recht :).
aber an gaslight anthem sind wir doch auch mal vorbeigestolpert, ganz vergessen? oder von robert geträumt ;)?
danke euch! :)
AntwortenLöschen@doreen: im ernst? mein gedächtnis ... aber dann muss es wirklich nur gestolpert gewesen sein. ai. aber mir ist nach "stundenlangen" youtube-sessions aufgefallen, dass ich doch schon zwei alte lieder kenne (wohl 1. album), die mir aber auch auf dem konzert bekannt vorkamen. :D die videos taten ihr übriges. aber wenn ich mich nicht durch einen dummen zufall (zb. jemand schleppt mich vor die bühne und will das ganze konzert sehen ;) ) mal intensiv mit einer band befasse, bleibt nur selten was hängen ... in letzter zeit sowieso nicht, aber ich hoffe auf besserung. ;)
Ach Mensch, das gefällt mir. Hört sich gut an, nicht immer nur das ewige Meckern über Regen, Matsch und ähnliches.
AntwortenLöschenThe Gaslight Anthem haben mich auch ernorm beeindruckt, ich werde versuchen im November mal nach Berlin zu kommen um mir das ganze nocheinmal zu geben.
Sehr wichtig finde ich den von dir angesprochenen Sonntag Nacht Punkt, in dem ich dir zu 100% recht gebe. Wer feiern wollte ist dem (flash)mob gefolgt, anderen lagen mit den Zehen wippend im Zelt und grinsten sich einen ab - sehr angenehm!
Und nur noch als kleinen Hinweis, nur weil wir vor einem Biotop zelteten heißt das nicht das wir die Grillen beim zirpen unterstützen ;)
ja, kügelchen. wir kamen da grad von phoenix rüber. ich glaub ich war noch auf einem der hübschen dixis rechts von der green stage und wir sind dann in den "biergarten" und lauschten ein wenig von da bis und inkl. vampire weekend.
AntwortenLöschenich muss ja zugeben, dass die mich bis heute nicht gepackt haben. ich hätte sie auch letztes jahr hier im kleinen knust sehen können, aber mir sind die einfach zu sehr classic rock, kann man wohl nix machen. bin mir aber sicher, dass die in ein paar jahren stadien spielen, wenn sie so weiter machen. immerhin standen sie schon mit dem boss auf der bühne ;).
ach ja: eigentlich wollt ich ihnen ja eine chance geben auf dem hurricane, aber da es mir so schlecht ging und die mich beim vorbeigehen auch nicht gepackt haben, fand ich den biergartenplatz dann doch ausreichend :D. ich hoffe, du steinigst mich jetzt nicht ;).
AntwortenLöschenps: das captcha eben passt ja: hersuff :D
@fab: IN einem biotop, nicht vor einem! ;) hm, berlin ...
AntwortenLöschen@doreen: ah, ich erinner mich dunkel, aber in keinster weise an den auftritt. :D aber macht nichts, keine steine. kann mir schon vorstellen, dass das nicht so deins ist, ich vertraue aber dennoch weiterhin deinem musikalischen gespür. ;)
ps: weil ich es im letzten beitrag vergessen habe: der robert, hach ja!
ich erinner mich an einige auftritte, u.a. diesen auch nur dunkel. dabei hab ich doch gar nicht so viel getrunken :D. man wird halt auch nicht jünger ;).
AntwortenLöschenach ja: vielleicht geb ich den jungs am 27.10. nochmal ne chance. denn ich will die vorband sehen, rival schools, wohooo. wäre dann mein vorletztes konzert vorm abflug :).
was ich noch erwähnen wollte: die überschrift ist auch ganz groß :).
erinnert mich ganz schön an mein highfield ;)
AntwortenLöschensehr cooler bericht!!!!
schön schön, anja =). hätte mir auch sehr gerne mal angesehen, wie das auf dem neuen gelände alles gelöst worden ist ... wobei mich dein bericht ehrlichgesagt im nachhinein noch mehr in der entscheidung bestärkt, da nicht hingegangen zu sein :D. bandmäßig wars für klein-anne dann doch nicht so der bringer. dein bericht ist auch der erste, den ich zum vergangenen wochenende höre, in dem die positiven seiten überwiegen. freut mich, dass du spaß hattest =). wie gehts dem sonnenbrand mittlerweile?
AntwortenLöschennochmal danke an euch! :)
AntwortenLöschen@doreen: da bin ich ja beruhigt, dass es dir auch so geht. :D und am 27.10. viel spaß! ich muss alle konzerte außerhalb leipzigs leider erstmal auf nächsten sommer verschieben, aber dann ... :D
@anne: naja, es gab sicher einige kritikpunkte, aber nichts, was wirklich ernsthaft war und wohl auch verschiedenen umständen geschuldet war. man kann es als besucher auch übertreiben. ;) aber nächstes jahr wirds bestimmt besser.
der sonnenbrand schwindet, allerdings ist der unterm hals noch sehr präsent, aber ich denke ich 1-2 tagen dürfte das auch überstanden sein: patient tot!