Mittwoch, 15. Januar 2014

Ausmisten, Aufräumen, Abziehen

Liebe Leser,

ich bin mit mir übereingekommen, mit ausgewählten Beiträgen dieses Blogs auf eine neue Plattform umzuziehen. Ab sofort findet ihr meine geistreichen Ergüsse unter folgender Adresse:


Ich würde mich freuen, wenn ihr mir (un)auffällig dorthin folgt. Vielen Dank! doppel-mist wird dann in den nächsten Wochen abgestellt.

Es war mir eine Ehre, gehabt euch wohl!

Dienstag, 13. August 2013

Nullpunkt

"Erst nachdem wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit, alles zu tun" 

Ok, ok, ein recht dramatischer Einstieg, aber hey, ihr kennt meinen Hang zum schriftlichen Pathos. Und ja, ich übertreibe auch ein wenig damit. Ich habe de facto nicht "alles" verloren, global betrachtet bin ich nach wie vor absolut privilegiert, es könnte schlimmer sein, niemand ist gestorben, ich habe Familie und Freunde etc. pp. Das ist mir klar, aber gestattet mir ein paar westweltliche Luxusprobleme.

In einigen Bereichen meines Lebens ging in den letzten Monaten gelinde gesagt einmal die Planierwalze drüber (vielleicht dachte sich ja der Fahrer: "Ach, wenn ich einmal da bin ..."), so dass ich bei der Phrase "Pech im Spiel, Glück in der Liebe" und wohlgemerkt auch umgekehrt nur noch müde eine Augenbraue heben kann. Denn beide Bereiche sind aktuell … naja, platt. Aber das ist natürlich Glück für euch, denn nichts nährt den produktiven Drang eines Möchtegernschreiberlings mehr, als ein paar mittelgut gelaufene Episoden seines Lebens. Ha-Ha, macht euch auf was gefasst, ich habe nämlich jetzt Zeit … naja, relativ, aber bevor ich jetzt mit Einsteinzitaten anfange, weiter im Text.

Wie dem auch sei, ich habe noch nicht so ganz herausgefunden, was mir dieser Sommer eigentlich sagen will, was ich in den letzten Monaten doch alles vom Leben lernen soll. Nun gut, vielleicht weiß ich das hier und da schon, aber es macht einfach keinen Spaß. Es ist anstrengend. Alles. Diese ständige Lebensweisheitenklauberei geht mir auf die Nerven. Warum kann nicht mal irgendwas klappen? Einfach so? So ein bisschen? Ohne Lehreinheit? Ohne charakterformende Unterbrechungen? Na? Na? Meine Herren, da hat mein Fahrrad ja ein besseres Karma … 

Exkurs: Ich lese hier gerade nebenbei die Inhaltsstoffe von Bachblütendragees … da stehen so Dinge wie "drüsentragendes Springkraut" und "doldiger Milchstern" … was zum? o.O Aber weiter im Text: 

Ich bin hin und hergerissen. Ich habe diesen Sommer zweimal die Hoffnung bzw. die Aussicht auf etwas aufgeben müssen, was in unterschiedlicher Weise meine Zukunft beeinflusst hätte. Hätte! Denn nun ist beides weg. Und ich drehe mich wie ein Fähnchen im Wind – unentschlossen zwischen der völligen Hingabe in selbstmitleidiger Traurigkeit, dem unterschwelligen Hauch der Erleichterung von "Es ist vorbei!", der Angst vor dem absoluten (apathischen) Nichts dazwischen, der aus all dem entstandenen Freiheit und Unabhängigkeit und schlussendlich der Suche nach dem Mut und der Inspiration in mir selbst, diese neue weiße Leinwand zu gestalten und auch gestalten zu wollen. 

Phase 1 – Frühsommer: 

Da ist dieses verbissene Festklammern und diese berühmte Hoffnung auf etwas Schönes, etwas Sinnvolles, etwas Bereicherndes, auf einen Schritt in die Zukunft, die der Einsicht weicht, dass das, was man sich wünscht, einfach mal nicht passieren wird. Und trotzdem fällt es schwer, das anzunehmen, weil man sich dieses Kartenhaus nicht nur vorsichtig aufgebaut, sondern auch hier und dort schon zu zementieren begonnen hat. Man glaubt – und davon abgesehen kann man sich so vieles im Leben ja auch schön reden ...

… aber da ist auch noch dieses verbliebene Resthirn, die Einsicht, dieses "Moment mal" ... 

Phase 2 – Hitzetod: 

Da ist dieses Loslassen (müssen), das sich Befreien von etwas, das nirgendwo hin führt, das man sich im Kopf so schön zurechtbog, das aber an der Realität und vor allem an einem selbst scheiterte. Von dem man nicht mehr so ganz weiß, ob es eigentlich um Ursache oder Wirkung ging. Von etwas, das die eigenen Ideale durcheinander gebracht hat. Denn ich habe in all der Hoffnung etwas vergessen: Mich! Und während ich dies schreibe, stelle ich fest, dass dies alles für beide Fälle anwendbar ist. Wunderbar, manchmal klappts ja doch noch … Aber natürlich sind die Details verschieden ...

… und da ist diese Schwere im Loslassen, diese Angst, zu viel zu verlieren, vielleicht alles ... 

Phase 3 – Altweibersommer: 

Da ist dieser Berg, auf den man seine neuen Erkenntnisse wirft. Und sehen wir den Tatsachen ins Gesicht: Ich werde nicht jünger und der Berg nicht kleiner. So trägt man seine neuen Errungenschaften aber mit den Jahren vielleicht einfach mit wesentlich weniger Aufregung als früher nach oben. Unbeeindruckter. Und was machen alte Weiber noch? Weisheiten von sich geben. Da wird dann so etwas erzählt von geschlossenen Türen und offenen Fenstern, auch wenn man schon mit den Augen leiert, oder davon, dass es immer weiter geht, von Freiheit und Neuanfängen, von Chancen, Entwicklungen, Möglichkeiten und dass irgendwie alles seinen Grund hat ...

… und da ist dieser Teil in meinem zynischen Herzen, der sich denkt: "Naja, vielleicht haben sie ja recht … gebt mir halt endlich den Farbpinsel!"

Donnerstag, 27. Juni 2013

Hurricane-Festival 2013 – „Amis würden sogar Kinder essen, wenn sie frittiert wären!“

21.-23.06.2013, Scheeßel – Eichenring
 
Ein Kurzbericht – Ich hab' doch keine Zeit für so 'nen Quatsch … 

Donnerstag 

Anreise:
- 16 Uhr: vor den Toren Scheeßels
- Kolonne, Kolonne, Kolonne
- etwas Regen
- Platzregen, Unwetterwarnung von FKP, keine Zelte aufbauen, Blitz, Donner, etc.
- „sleeping in my car?“ lalalala

- 18 Uhr: Parkplatz, die ersten Autos stecken schon im Schlamm fest
- Lage checken, Bändchen holen, übers Gelände schlendern … ähm, stapfen und schwimmen … und durchweichen lassen
- 20 Uhr: Regen ist verflogen, also raus aus den nassen Klamotten und rein in den trockenen Bollerwagen und doch noch Zelt aufbauen. Juhu!

Freitag 

- Shout Out Loudsund *shalala* 
- Tegan & Sara ... ringt mir nicht mehr als ein *tüdülü* ab. Haben früher mehr Spaß gemacht. 
- Friska Viljor ♥ und *shalala*
- The National ♥ ♥ ♥ und ein Sprung in bzw. ein Gang durch die Menge von Matt *thumbs up* 
- Rammstein *feuer frei* und Riesenrad fahren
- Sigur Rós *gobbledigook* und *hoppipolla* ... leider schlechte Idee direkt nach Rammstein, Knochen und Fleisch schwach, müde, kalt, jammer … Leider, leider ganz schlechte Rahmenbedingungen, beim nächsten Mal wieder mit Sonnenschein auf einer Liegewiese ... 

Samstag 

- Herrenmagazin ♥ mein Gott, ist das früh, so früh, Kaffeeeee … aber sonst schön!
- Frightened Rabbit … ähm, kaum Erinnerung, erstmal Mittag … oder wars ein Eis?
- Miles Kane ♥ Wieder rearranged! Yeah!
- The Maccabees … ja, *tüdülü* und so, ganz schön lumpig gekleidet, die Herren
- City and Colour … ja, schön, müde und kaputt, zu langsam, also rüber zu:
- British Sea Power … ja, schön, müde und kaputt, zu langsam, also rüber zu:
- Frittenbude … ich glaube, wir haben entweder gegessen oder Kaffee getrunken
- Bloc Party … ja, war nochmal nett, Platz gut besucht, Schlagzeugerin war schon ein bisschen der Wahnsinn
- The Vaccines (gesprochen: „Wäxiens“) *tüdülü* und *shalala* und ein wenig dancen
- Of Monsters and Men … verklagt mich, war sicher nett, aber hat mich nicht in seinen Bann gezogen
- Editors ♥ ♥ ♥ Die hier dafür umso mehr! Hach! ♥ ♥ ♥
- Kasabian … die zerlegen mal eben den Platz, meine Fresse. Aber Editors-bedingt sehe ich nur die zweite Hälfte. Aber immerhin, vor zwei Jahren „musste“ ich zugunsten von Incubus ganz verzichten. Also ja, war gut! Aber dieser Sergio ist auch der einzige Mann, der SO einen Ausschnitt tragen darf!
- Ska-P … Käffchen holen, der Platz kocht, das Feuerwerk im Publikum auch ...
- Arctic Monkeys … Käffchen trinken, ausruhen – und hoffen, dass Miles Kane noch auf die Bühne geholt wird. Wird er … juhu!
- jetzt aber schnell zu Ben Howard ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ Neben mir beobachte ich, wie gewisse Produkte gegen Bares getauscht werden … ein Mädchen wird ohnmächtig und wird an den Bierwagen geschleppt, vor dem ich stehe. Langsam wird es mir hier zu bunt und ich gehe drei Schritte weiter … vor den Notausgang, durch den kurz darauf mehrere Securitys einrücken, um vor der Bühne ein Mädchen nach dem anderen rauszuziehen. Ja, bei Ben Howard ist was los. Btw: Der Gute ist selbstverständlich sternhagelvoll … und spielt und singt dennoch wie ein junger Gott. Hach! Und er samt Crew lassen sich sogar zu dem einen oder anderen Tänzchen zu Deichkind hinreißen, die von der anderen Bühne zu hören sind.

Sonntag 

- Kashmir … Geh ich? Geh ich nicht? Die spielen ja im September wieder hier. Geh ich? Geh ich nicht? Oh, Regen. Zelt zu. Oh, Regen hört auf. Na gut, ich gehe! Gott, bin ich im Eimer … Kaffeeee …
- „danach“: Ich ziehe mir aus lauter Verzweiflung 'ne Cola rein, schaue mich so am Merch vor der Blue Stage um und probiere und wundere mich, dass der Platz immer voller und voller wird. Die gleich hier spielende Combo kenne ich nämlich gar nicht. Ich bekomme leicht Angst und sehe zu, dass ich Land gewinne. Gegen den Strom entfliehe ich den Massen. Die Band (Macklemore & Ryan Lewis) setzt ein, mein rudimentäres Radio-Gedächtnis ebenso … und mein Fluchtreflex gleich hinterher. Aaaahhhhh … nur weg, nur weg, zu:
- Frank Turner & The Sleeping Souls ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ Hab' ich was vergessen? Ach ja: ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ! 
- Jimmy eat World … Kaffeeeee … ah, besser … ja, wie immer nett. Gott, wie oft habe ich die eigentlich schon gesehen? Aber heute für eine wirkliche Aufnahme nicht fit genug.
- Two Door Cinema Club … schon mal gesehen und zu leichter Indie, um heute für mich interessant zu sein. Erstmal Abendbrot, letzte Stärkung vor den:
- Smashing Pumpkins … tja, was soll ich sagen … „meine“ Band, meine erste musikalische Liebe, Fan seit … 'ner Weile, seit damals, als es sie das erste Mal gab, 1999/2000, kurz bevor sie sich dann auflösten. „Yeah! -.-“ Und naja, die neue Band ist natürlich nicht die alte, wobei es bei dieser Band ja fast nur auf Corgan hinausläuft. Nun gut, ein kleiner Instant-Ersatz. Bin ich aufgeregt? Ich weiß es nicht, vielleicht ein bisschen. Ich bin ein wenig skeptisch, aber habe auch nur wenige Erwartungen. Ich schau mal. Im Übrigen: Zu Beginn des Sets verschwinden tatsächlich die Wolken, die Sonne kommt heraus und ein riesiger Doppel-Regenbogen offenbart sich rechts vom Publikum. Irre! Der Hauptregenbogen mit so vielen Farben, wie ich sie noch nie bei einem Regenbogen sehen konnte. Na wenn das kein Zeichen ist, weiß ich auch nicht. Ansonsten: Ich fand es schön, irgendwie entspannt. Billy war gut drauf, sein Wohlstandsbäuchlein auch. Ja, das T-Shirt passt noch wie angegossen!!! Und ein paar der alten Kracher gehen mir dann doch recht nah … ;-)
- The Gaslight Anthem … naja, naja, die waren auch schonmal besser. Heute eher ein gemäßigtes *tüdülü* …
- Queens of the Stone Age … auch hier: gewisse Alterserscheinungen und der Herr voll wie 50 Russen. Deswegen müssen sie auch glatt 20 Minuten eher aufhören. Naja, der Herr muss wohl schon ins Bett, wird ja auch gleich dunkel. 

Nicht gesehen: 

- diverse Indie-Bands, die ich noch nicht auf dem Relevanz-Schirm habe und für die es zeitlich oft viel zu früh war …
- diverse Hardcore-Bands
- diverse Electro-Bands
- The Hives … ach halt, dran vorbeigelaufen
- Billy Talent … ach halt, dran vorbeigelaufen
- Portishead … fand ich vor zwei Jahren so unglaublich langweilig. Haltet mich für einen Trip-Hop-Banausen, aber nein danke! (Ja, sorry, Anne! ;) )
- Steven Wilson … parallel zu Bloc Party
- FM Belfast … parallel zu Editors UND Kasabian (Ja, sorry, Mario! ;) )
- Passenger … hat mich nicht so gejuckt, Platz war glaube auch voll
- Deichkind … Hallo??? Ben Howard!?!?!
- Macklemore … s.o.
- Get Well Soon … parallel zu Frank Turner ♥
- Johnossi … parallel zu Frank Turner ♥
- Alt-J … hat mich halt nicht so interessiert
- Archive … parallel zu Jimmy eat World
- Paul Kalkbrenner … pft, Paul, ich hör doch nur den Fritz! ;-)

Festival-Campen: 

- boah, hör mir auf, ich bin zu alt für den Mist! 

Insgesamt: 

- die Bands waren es wert, das Drumherum für mich nicht mehr ...

PS: Ich habe an diesem Wochenende keinen Tropfen Alkohol zu mir genommen, notierte Müdigkeitserscheinungen sind also rein altersbedingt!

PPS: Bei Rock im Park war ich dieses Jahr zwar auch, aber Line-Up-bedingt hatte ich noch keine Ambitionen zu einem „Bericht“

Montag, 6. Mai 2013

Demontage

Wie blaue Federn auf Bäumen im Schnee

There's a bluebird in my heart that
wants to get out
but I'm too clever, I only let him out
at night sometimes
when everybody's asleep.
Charles Bukowski – Bluebird
There you stood on the edge of your feather,
Expecting to fly.
While I laughed, I wondered whether
I could wave goodbye,
Knowin' that you'd gone.
Buffalo Springfield – Expecting to fly
Hey you! Up in the sky
Learning to fly
Tell me how high
Do you think you'll go
Before you start falling
Oasis – Up in the sky
There's a high flyin' bird, way up in the sky now,
You know I wonder if she looks down, as she flies on by?
She's flying on the air so easily in the sky.
Lord, look at me here,
I'm rooted like a tree here, yes I am now.
Jefferson Airplane – High Flyin' Bird

Denn wir sind wie Baumstämme im Schnee. Scheinbar liegen sie glatt auf, und mit kleinem Anstoß sollte man sie wegschieben können. Nein, das kann man nicht, denn sie sind fest mit dem Boden verbunden. Aber sieh, sogar das ist nur scheinbar.

Franz Kafka – Die Bäume
I’m looking to the sky to save me
Looking for a sign of life
Looking for something help me burn out bright
I’m looking for complications
Looking cos I’m tired of lying
Make my way back home
When I learn to fly 
Fly along with me
I can’t quite make it alone
Try to make this life my own 
Foo Fighters – Learn to fly

Sonntag, 14. April 2013

Gespräche V: Vorurteile

Letztens an einer Kasse für eine musikalische Veranstaltung (offensichtlich von Studenten für Studenten, aber ich bin ja schmerzfrei):

"Einmal normal, bitte!"
"Ach, ganz ohne Ermäßigung?" Die Dame an der Kasse ist leicht irritiert.
"Ja!"
"Oh, gut, ok, das ist ja schön … Dass es das auch noch gibt, man muss also gar nicht immatrikuliert sein." infantiles Kichern I
"Naja, ich war ja immatrikuliert."
"Oh, ok, müssen wir nicht weiter drüber reden." infantiles Kichern II
Ich setze ganz unweigerlich das Daria-Gesicht auf und ziehe eine Augenbraue leicht hoch:
"Ich hab' abgeschlossen."
"Oh ..." Die Dame starrt peinlich berührt auf ihren Bildschirm und geht ihrer Arbeit nach. 

la-la-la-la-la

Mittwoch, 10. April 2013

Schnelldurchlauf oder Wer ist eigentlich dieser Godot?

frei nach dem Leben

Warten auf die Luft und das Licht
Warten auf das Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen
Warten auf das Gehen und das Rennen
Warten auf die Stürze und die Heilungen
Warten auf das Lesen, Schreiben, Rechnen
Warten auf das Wissen und Erkennen
Warten auf die Irrtümer und Erfahrungen
Warten auf das Verstehen

... Verlust der Heimat
Warten, dass viele gehen – viel zu früh
Warten auf den Druck
Warten auf das Training
... Hoffen, dass die Füße irgendwann keine Blutblasen mehr bilden
Warten auf neue Musik
... nachts auf MTV, bevor das Internet IN war
Warten auf den Führerschein
Warten auf den Aufprall
Warten auf die Röntgenaufnahmen
Warten auf eine bessere Welt
Warten auf den Beginn des ureigensten Zynismus
... hoffen, dass er nicht in Verbitterung endet

Warten auf eine neue Stadt
… they have cookies
Warten im Stau … auf einer Brücke … auf den Blasenkollaps
Warten auf die Erkenntnis, was man sich dabei jetzt eigentlich schon wieder gedacht hat
... Erkennen, dass alle Phasen irgendwann ihr Ende haben

Warten auf die Einsicht, dass ich dir nicht helfen kann
Warten, dass du mich gehen lässt
Warten, dass die Wut nachlässt
Warten, dass man nicht mehr fühlt
Warten auf Ruhe
Warten, dass die Füße den Boden wieder erreichen

Warten auf das erste graue Haar (Nein, ich verlinke hier jetzt kein PUR, also wisst ihr? Irgendwann muss auch mal gut sein, ehrlich ...)
Warten auf eine neue Umgebung
Warten auf Ablenkung
Warten auf das erste Bild, das einem gemalt wird
Warten auf den letzten Prüfungsmorgen
Warten auf Identität
Warten auf einen neuen Blogeintrag bei doppel-mist
Warten auf den Tag, an dem man sich endlich angewöhnt, einen Notizblock neben das Bett zu legen, um nicht jedes Mal nochmal aufstehen zu müssen
Warten auf die richtigen Worte
Warten auf ehrliche Antworten
Warten, dass du mich irgendwann nicht mehr erkennst
... bei deinem langen Abschied
Warten auf dein Aufwachsen
Warten auf den nächsten Ortswechsel
... Bleiben
Warten, dass man wieder wütend sein kann und will
Warten, dass man wieder fühlen kann und will
Warten, dass man wieder weiß, wer man ist und wer man war
... Werden, wer man ist und wer man war

Warten auf dich

Warten auf mich
… und bei mir bleiben


Warten ohne Erwartung

Montag, 8. April 2013

You should be dancing

Meine lieben doppel-mist-Jünger,

ja, dieser Blog lebt noch, ich lebe noch, stayin' alive und stayin' in LE sind die derzeitigen Motten. Apropos Motten: Der Frühling naht, der lange Winter geht mit großen Schritten ("Im Tale grünet Hoffnungsglück usw.") und hier wird bald wieder etwas passieren. Nach dem internen Frühjahrsputz gibt es neue noch unbekannte und auch neue alte Blogeinträge, die jetzt langsam mal abgetippt werden. Ich gebe euch mein Ehrenwort, wie so gern zu sagen gepflegt wird. Also seid gespannt, ich bin auch schon ganz aufgeregt. Altes Neues, neues Altes, alles bleibt anders und ich irgendwie auch, aber eigentlich auch nicht. Also ich wollte sagen, dass etwa zu dieser Zeit die Verwirrung ... und die Verwirrung wird all jene verwirren ... doch genug der vorgekauten Instant-Erkenntnisse.

Aus pragmatischen Programmiergründen wird sich jedoch leider die Schrift eures Lieblingsblogs etwas ändern. Ich hatte damals die Umstellung der blogger-Software mit Sorge verfolgt, dank meiner rudimentären HTML-Kenntnisse konnte ich das Problem aber weitgehend umgehen und euch dank altbewährter Schriftart und -größe eine nach wie vor heile Welt vorgaukeln. Hat keiner gemerkt, wa? Tja, der Mensch sieht für gewöhnlich auch nur das, was er sehen will. (Nein, ich zitiere jetzt nicht Antoine de Saint-Exupéry) Das wird sich nun ändern, ich bin es leid, bei aller Liebe. Das Leben ist hart. Wer es nicht gleich verkraftet, dem empfehle ich für den Übergang einen doppelten Becherovka, der hilft. Wer keinen Alkohol trinkt, dem sei als Alternative eine Karlsbader Schnitte ans Herz gelegt. Die hilft auch.

Zum warm werden gibt es aber erstmal die holden Gebrüder Gibb, denn wie ihr wisst: Da kenne ich nichts. Nein, die sind kein Trash, meine Herren ...